Vorweg ein rechtlicher Hinweis und eine Anmerkung für unsere Leser in Deutschland: Nach dem deutschen Waffenrecht gelten solche nachttauglichen Zieloptiken wie die im folgenden Bericht genannten Sightmark-Modelle Wraith Mini 2-16x35 Thermal und Mini 4K, die über eine integrierte Zielvorrichtung verfügen, als "Verbotene Gegenstände" und sind für den zivilen Bereich in der Regel rechtlich tabu.
In vielen Ländern darunter auch einige EU-Staaten wie etwa Italien, Rumänien, Polen, Frankreich, Spanien (in den beiden zu Letzt genannten nur nach vorheriger behördlicher Registrierung) und auch im inzwischen aus der EU ausgeschieden Großbritannien sind sie aber erlaubt. In der Schweiz waren sie bis zur letzten Novellierung des Waffenrechts zur Anpassung an die EU-Feuerwaffenrichtlinie (Stichwort Schengenraum) erlaubt, werden aber inzwischen auch nur noch in Ausnahmefällen bewilligt. Dennoch möchten wir auch den Lesern, in den Ländern, in denen solche Optiken bislang nicht erlaubt sind, diese interessante technische Entwicklung, um dies es gleich geht, nicht vorenthalten. Zumal auch hierzulande immer noch diskutiert wird, nach den sogenannten Dual-Use-Geräten, auch solche reinrassigen Nacht- und Wärmebildzieloptiken angesichts der vorherrschenden Schwarzwildproblematik für die Jagd freizugeben. Auch aufgrund des integrierten Absehens dürfte das nicht so einfach werden, da diese Technik auch ohne Montage auf einer Waffe in D/A/CH so nicht zulässig ist.
Exklusiv für die Leser von all4shooters/all4hunters.com konnte unser italienisches Team das Sightmark Wraith Mini 2-16x35 Thermal bereits vor seiner heutigen Weltpremiere ausgiebig testen. Das neue Sightmark Wraith "Mini 2-16" ist ein super kompaktes Wärmebild-Zielfernrohr für den behördlichen Einsatz und − dort wo erlaubt − natürlich auch für die Jagd und auch für das Freizeitschießen auf dem Schießstand. Es ist vielleicht das erste Wärmebild-Zielfernrohr in dieser Auflösungsklasse, einschließlich Picatinny-Montage, das auf dem EU-Markt für weniger als 2.000,- Euro angeboten wird.
Diejenigen, die sich vielleicht schon mal im Internet mit den infrarotbasierten Nachtzielfernrohren, insbesondere mit dem kompakten Wraith 4k Mini Digital, von Sightmark befasst haben, denen wird gegebenenfalls die Linienführung, die Form und der Aufbau des hier exklusiv getesteten Wärmebildfernrohrs bekannt vorkommen. Tatsächlich nutzt das brandneue Wraith Mini 2-16x35 Thermal genau das gleiche kompakte Gehäuse wie das besagte Mini 4K. Das ist schon rein aus Kostengründen auch sinnvoll, wenn man bedenkt, dass sowohl ein digitales Tag-/Nachtsicht- als auch ein thermales Zielfernrohr in der Theorie eigentlich identisch aufgebaut sind: beide sind mit einem Sensor, einer Grafikverarbeitungs-Engine und einem Display im Okular ausgestattet... außerdem ist die Schnittstelle für die Picatinny-Montage identisch, ebenso wie die Benutzeroberfläche des Bedienfelds, sodass diejenigen, die bereits das 4K Mini Tag/Nacht-Zielfernrohr verwendet haben, auf Anhieb auch mit der Wärmebild-Variante zurecht kommen.
Das Sightmark Wraith Mini 2-16x35 Thermal - technische Details
Konzentrieren wir uns nun aber im Detail auf die brandneue, interessante Wärmebild-Optik und werfen zunächst einmal einen Blick auf die vom Hersteller angegebenen Spezifikationen. Das Wraith Mini 2-16 Thermal basiert auf einem FPA-Sensor mit einer Auflösung von 384 x 288 Pixeln und einem Pixelabstand von 17 μm aus amorphem Silizium mit einem F35-mm-Germanium-Objektiv. Es hat eine 2-fache optische Vergrößerung, die dank des digitalen Zooms von bis zu 8-fach einen Vergrößerungsbereich von 2 bis 16-fach ermöglicht. Die NETD-Empfindlichkeit des Wärmesensors beträgt etwa 40 mK; dies ist ein guter Wert, der in den meisten Situationen einen angemessenen Dynamikbereich im Bild gewährleistet.
Die vom Sensor erfassten Bilder werden verarbeitet und auf einem OLED-Mikrodisplay mit 1024 x 768 Pixeln im Inneren des Okulars angezeigt, das über eine Dioptrienverstellung sowie eine ausgezeichnete Farbqualität und auch niedrigen Temperaturen widersteht.
Der große Fokussierbereich des Objektivs überraschte uns dann doch: Dieser reicht von weniger als 40 cm bis unendlich. Damit ist es tatsächlich möglich, das Thermal Wraith Mini als handgehaltenes Beobachtungsmonokular zu verwenden; einen so geringen Mindestfokus findet man bei herkömmlichen Zielfernrohren nur selten.
Das Sightmark Wraith Mini 2-16 Thermal verfügt über gute Software-Funktionen. Die Bildverarbeitungs-Engine verwendet einen firmeneigenen Algorithmus, um die Bildqualität und den Detailgrad zu verbessern. Sie bietet insgesamt fünf Farbpaletten, um den Kontrast bei schwierigen Bedingungen zu erhöhen.
Das Wraith Thermal bietet über 10 auswählbare Absehen, vom klassischen Fadenkreuz bis hin zu Unterabsehen fürs Entfernungsschätzen auf größere Distanzen (beachten Sie jedoch, dass sich hier alle Absehen wie bei einem Absehen in der 2. Bildebene eines herkömmlichen Zielfernrohrs verhalten und die Unterabsehen nur bei 2-facher Vergrößerung verwendet werden können). Die Farbe des gewählten Absehens kann aus einer Palette von 9 Farben ausgewählt werden; 5 verschiedene Haltepunktprofile sind ebenfalls verfügbar, die entweder 5 verschiedenen Laborierungen oder verschiedenen Kalibern zugeordnet werden können.
Das A/V-Aufnahmesystem stützt sich auf eine MicroSD-Karte mit bis zu 256 GB Speicherkapazität. Die Karte wird in einen Schlitz an der Seite des Gehäuses eingesteckt und ist geschützt durch eine kleine, doppelte Gummiklappe, die auch den USB-C-Anschluss für die Stromversorgung des Zielfernrohrs über externe Batterien abdeckt. Ein Mikrofon für die Tonaufnahme ist ebenfalls vorhanden, und es ist möglich, einzelne Fotos zu machen. Genau wie das digitale Nachtsichtgerät Mini 4k unterstützt das Wraith Thermal kein WiFi.
Das nachtsichttaugliche Zielfernrohr wird mit einer Picatinny-Montage geliefert. Eine verlängerte Montage, die besser für Repetierbüchsen geeignet ist, ist optional erhältlich, um die Position des Zielfernrohrs auf der Waffe einzustellen und den Augenabstand fein abzustimmen − sehr wichtig, da der Wert des Augenabstands nicht sehr hoch ist, etwa 60 mm. In der Tat funktioniert das Wraith Thermal in der Standardmontagekonfiguration am besten mit halbautomatischen Waffen auf AR-Basis.
Wir ziehen die mitgelieferte, aber nicht serienmäßig montierte Gummimuschel dem werkseitig angebrachten FlipUp-Schutzdeckel am Okular vor. Da der Klappdeckel sich nicht entlang des Optikkörpers nach unten klappen lässt und der andere das Display besser gegen unerwünschtes Licht abschirmt. Zumal das Gummiteil auch dabei hilft, eine gute Einblickposition zu finden, damit man mit der Augenbraue nicht zu nahe an den Rand des Okulars kommt, insbesondere bei Waffen mit hoher Leistung.
Das Gehäuse des Wraith Thermal besteht aus einer leichten Aluminiumlegierung. Die Optronik und wird von zwei 3V CR123A-Lithiumbatterien mit Strom versorgt. Die Batterien lassen sich natürlich auch durch Akkus ersetzen. Die Betriebszeit beträgt etwa 3,5 bis 4,4 Stunden, je nachdem, ob die A/V-Aufnahme aktiviert ist oder nicht.
Das Sightmark Wraith Mini 2-16x35 Thermal in der Praxis
Der Abgleich und die Handhabung der ballistischen Profile ist sehr einfach. Es sind nur drei Schüsse erforderlich und etwas an Achtsamkeit beim Einstellen des Absehens auf die Gruppe mit Hilfe der mitgelieferten Software erforderlich, um eine optimale Kalibrierung der Waffe/Laborierung/Optik auf die gewählte Entfernung zu erreichen. Die Qualität des Wärmebildes ist so gut, dass eine herkömmliche Zielscheibe aufgrund der Tatsache, dass ihr Spiegel schwarz gedruckt ist und sich daher in der Sonne stärker erwärmt, im Display sehr gut sichtbar ist und bereits problemlos zum Justieren auf 100 Meter verwendet werden kann.
Wir haben das Sightmark Wraith Mini Thermal auf mehreren Waffen getestet: einer Benelli Argo E Pro Jagd-Halbautomatik in .30-06, einer schönen Sabatti Rover Shooter Repetierbüchse in .308 Winchester und, weil sich die Gelegenheit dazu ergab, auch auf einem 40 Jahre alten SIG-Manurhin FSA Halbautomatik-Karabiner in .222 Remington, der zivilen Version des ehrwürdigen Stg540.
Die Verwendung der menügesteuerten Oberfläche der Wraith erfordert etwas Übung. So müssen für den Zugriff auf einige erweiterte Funktionen Tasten drei Sekunden lang gedrückt gehalten werden. So etwa bei der für die Auswahl der Farbpaletten zuständigen linken Taste − drückt man sie nur kurz, wird stattdessen die Sensorkalibrierung aktiviert. Die Firmware-Version in unserem Testmuster ist in Bezug auf Leistung und Funktionalität so gut wie fertig, kann aber bei den tatsächlich zum Verkauf stehenden Modellen in geringem Maße abweichen. Bei unserem Testmodell boten einige Einstellungen beispielsweise nur einen Prozentbalken und nicht die Live-Anzeige der Änderungen am Bild. Wenn man sich jedoch erst einmal daran gewöhnt hat, ist es, wie bei allen Dingen, intuitiv genug, um die Anzeigemodi oder Vergrößerungen im Handumdrehen zu ändern.
Bei einer Basisauflösung des Sensors von nur 384 x 288 Pixeln entspricht eine 16-fache Vergrößerung bei 2-facher Vergrößerung einem Beobachtungsfenster von nur 48 x 36 Pixeln, was in den meisten Situationen nahezu unbrauchbar ist. Besser ist es daher, bei einer maximalen Vergrößerung von 8x zu bleiben. So hat man ein ausreichendes Sichtfenster von 96 x 72 Pixeln, das eine hervorragende Schussplatzierung bei der Jagd auf Wild erlaubt und gleichzeitig ein gutes Situationsbewusstsein für das, was um das Ziel oder das Wild herum passiert, bewahrt. Die Schärfentiefe ist so groß, dass wir nicht das Gefühl hatten, den Fokus ändern zu müssen, sobald die Zwanzig-Meter-Marke überschritten wurde − das ist wichtig für Drückjagden mit sehr dynamischen und schnellen Tieren. Im Gegensatz zum Mini 4K verwendet der Thermalsensor ein 4/3-Seitenverhältnis, sodass er das runde Okular des Zielfernrohrs mit einem ausgezeichneten horizontalen Sichtfeld von 13° viel besser "ausfüllt".
Der beobachtete Bilddynamikbereich schwächelt ein wenig im Vergleich zu den etablierteren (aber gleichzeitig auch viel teureren!) Konkurrenten, während er in der Gesamtleistung immer noch einen Schritt über den meisten ein paar Jahre alten Produkten liegen kann. Die Empfindlichkeit ermöglicht eine exzellente Detektierung von Wild, selbst auf große Entfernungen; umgekehrt neigt der Sensor dazu, weniger Details des Beutetiers preiszugeben, verglichen mit der Umgebung, die in der Regel detailreicher dargestellt wird: Der Algorithmus wurde hier auf eine Sichtfeldabwägung eingestellt, bei der der höchste Prozentsatz der Sensorabdeckung den vollen dynamischen Bereich erhält, um ein Maximum an Wahrnehmung dessen, was um das Beutetier herum geschieht, zu ermöglichen.
Die A/V-Aufnahmefunktion des von uns getesteten Vorserienexemplars verwendet das AVI-Format. Wir finden, dass es im Sinne einer größeren Kompatibilität besser wäre, das mpeg-Format zu verwenden − insbesondere wenn man die Videos in Social-Media-Kanälen nutzen möchte. Bei kontinuierlicher Aufzeichnung erzeugt die Funktion aufeinanderfolgende Einzeldateien von jeweils etwa 3 Minuten. Die Audioqualität ist ok.
Bei schnellen Bewegungen wirkt sich die Bildwiederholrate des Sensors positiv aus, es gibt keine Echo- oder Geisterbild-Effekte, die Verzögerung ist fast nicht wahrnehmbar.
Die Neukalibrierung erfolgt recht schnell und sperrt das Bild nur kurzzeitig. Sie entspricht den durchschnittlichen Zeiten aktueller Wärmebildkameras. Eine manuelle Kalibrierung ist durch kurzes Drücken der linken Taste möglich, um zu verhindern, dass sich der Sensor im entscheidenden Moment automatisch neu kalibriert... Nach dem Kauf empfehle raten wir dazu, den federbelastete Okularklappdeckel gegen die Gummi-Augenmuschel auszutauschen und sofort eine MicroSD in das Zielfernrohr einzusetzen, da die Aufzeichnungsfunktion sehr nützlich ist, etwa für die Dokumentation der Jagdsession.
Unser Testfazit zum Sightmark Wraith Mini 2-16x35 Thermal Nachzielgerät:
Genau wie das Mini 4K for digital im Bereich der infrarot-basierten TAG-/Nachtzielfernrohre, ist das Mini Thermal ein perfekter Ausgangspunkt für den Einstieg in die faszinierende Welt der Wärmezieloptik. Bei dem Preis von unter 2.000,- Euro (dieser kann in den einzelnen EU-Ländern aufgrund unterschiedlicher Steuer- und Mehrwertsteuersätze variieren), den Hersteller Sightmark für das Wraith Mini Thermal angesetzt hat, machen die zahlreichen Bildverbesserungen, die Leistungsmerkmale, die gute optische Qualität, die Robustheit, die Kompaktheit und die Benutzerfreundlichkeit diese Zieloptik zu einer äußerst erschwinglichen und perfekten Option für alle, die den ganzen Hype um die Wärmebildtechnik mitbekommen haben und diese − wohlgemerkt da, wo sie rechtlich in Zieloptiken zulässig ist − zum ersten Mal ausprobieren möchten. Und dieses gilt für erfahrene, budgetbewusste Jäger und Einsteiger gleichermaßen. Nochmals zur Klarstellung: Wir haben hier eine Vorserienoptik getestet, die sich noch leicht von den auf dem Markt erhältlichen Modellen unterscheiden kann (vor allem in der Firmware) − aber diese Unterschiede können sich eigentlich nur positiv auswirken!
Der Preis von knapp 2.000 Euro wird sogar niedriger sein als der Verkaufspreis vieler herkömmlicher High-End-Tageslichtoptiken. Das Mini-Thermal-Zielfernrohr kommt einsatzbereit, mit einer Picatinny-Schraubmontage (Versionen mit Schnellverschluss sind möglicherweise bereits verfügbar, wenn Sie diesen Test lesen) und einem Paar Batterien. Außerdem gehören zum Lieferumfang noch ein vergrößerte Schnellfokussierhebel, gefederte Schutzkappen und eine Gummi-Augenmuschel.
Technische Daten + Preis des Sightmark Wraith Mini 2-16x35 Thermal
Hersteller: | Sightmark |
Modell: | Wraith Mini 2-16x35 Thermal |
Preis (UVP9: | 1.999,99 € (Preis kann pro Land variieren) |
Sensorauflösung: | 384x288 Pixel (Pitch: 17 µm) |
NETD-Wert: | <40 mK |
Objektivbrennweite: | 35 mm (50Hz, 300 K, F/1) Germaniumlinse |
Vergrößerung: | 2-16x mit Digitalzoom |
Sehfeld (horizontal): | 13° |
Detektionsreichweite: | ca. 1.000 m |
Abmessungen: | 169 mm x 77 mm x 74mm |
Gewicht: | 550 g |
Display: | OLED, 1024x768 Pixel |
Batterie: | 2 x CR123A Li-Batterie, USB-C-Schnittstelle für externe Stromversorgung (z.B. Powerbank) |
Batterielaufzeit: | ca. 3,5 bis 4,4 Stunden |
Anmerkungen: | Audio-,
Video- und Fotorekorder mit MicroSD-Speicher (Speicherkarte nicht im Lieferumfang enthalten),
unterstützt Karten bis zu 256 GB; wasserdichtes Aluminium-Gehäuse, einsetzbar im Temperaturbereich von
-20 bis +50 ºC, 50 Hz "full frame rate"-Sensor und Display. Bitte beachten Sie die rechtliche Zulässigkeit in Ihrem Land. |