Sucht man eine Übersetzung für das türkische Wort Derya, stößt man neben der Bedeutung "Meer" oder "Ozean" auch auf das, was man im Deutschen als ein "wandelndes Lexikon" bezeichnet würde, also eine Person mit einem sehr großen Wissens- und Erfahrungsschatz. In diesem Sinne versteht sich auch die Philosophie der türkischen Waffenschmiede Derya, in der laut Firmenangaben alle Entwickler selbst auf eine große Erfahrung im Umgang mit den Waffen, an denen sie arbeiten, zurückblicken und dieses Wissen dann auch in ihre Konstruktionen einfließen lassen. So verwundert es auch nicht, dass die vorliegende Bockflinte neben bewährten Elementen auch das eine oder andere pfiffige Detail aufweist. Aber dazu später mehr. Die Derya Meriva MR-100 kommt über die RUAG Ammotec GmbH in Fürth mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 799,- Euro in die Regale der deutschen Waffenhändler. Damit reiht sie sich preislich ganz klar im Bereich der meist in der Türkei gefertigten günstigeren Einsteiger-Bockflinten wie etwa der KOFS Zenith SX, der Akkar Churchill 206-x oder der Mercury Hunting ein. Aktuell ist die Meriva MR-100 nur als Rechtsausführung im Kaliber 12/76 und mit einer Lauflänge von 76 Zentimetern zu haben.
Unser erster Eindruck der Derya Arms Meriva MR-100 Bockflinte
Bei der MR-100 dominieren die Farben Braun und Schwarz. Wie es sich für einen traditionellen Flinten-Hersteller gehört, fertigt Derya den Schaft aus Nussbaumholz und versieht ihn anschließend mit einem schützenden Öl-Finish. Während die eher schlichte Maserung dem Preis der Waffe gerecht wird, überraschen bei der Testwaffe die Holzteile positiv durch ihre sehr ordentliche Verarbeitung und exakt ausgeführten Passungen im Übergang zu den Metallteilen. In Sachen Metallteile setzt Derya voll auf den bewährten Werkstoff Stahl und bearbeitet ihn offensichtlich zeitgemäß mit modernen CNC-Maschinen. Fast alle von außen sichtbaren Metalloberflächen weisen eine matt-schwarze Brünierung auf. Lediglich das chromglänzende Abzugszüngel und der in beide Flanken der Basküle per Laser in den Stahl eingebrannte und metallisch-silbern durchschimmernde Schriftzug "Derya" bilden zusammen mit dem Nussbaumholz einen durchaus gefälligen farblichen Kontrast zu dem vorherrschenden matten Schwarz.
Wissenswertes zum Schaft der Meriva MR-100 von Derya Arms
Der Hinterschaft besitzt einen geraden Rücken und einen Pistolengriff. Schulterseitig schließt ihn eine kombinierte Schaftkappe aus hartem, glatten Kunststoff und mittelhartem Gummi ab. Beim Vorderschaft entschieden sich die Konstrukteure für eine Biberschwanzkontur. Sowohl an den Kontaktflächen von Pistolengriff wie auch an denen des Vorderschafts sorgt jeweils eine maschinell eingeschnittene Fischhaut dafür, dass die Hände einen rutschfesten Griff finden. Zur Befestigung des Handschutzes nutzten die Entwickler bei der MR-100 das von Anson entwickelte und von Purdey verbesserte Prinzip eines aus der Stirnseite des Vorderschafts herausragenden Drückers, der zum Entriegeln einer gefederten Sperrklinke dient. Bei angebautem Vorderschaft greift diese Klinke fest in einen korrespondierenden Haken an der Unterseite des Laufbündels.
Was man über das Laufbündel der Meriva MR-100 wissen sollte
Die innen spiegelblank polierten und hartverchromten Läufe verbindet eine ventilierte Mittelschiene. Im Bereich der Patronenlager werden die Läufe in einem Monoblock gefasst. Die Flanken des Blocks weisen einen ordentlich ausgeführten Sonnenschliff auf. Auf dem oberen Lauf thront eine zehn Millimeter breite, durchgängige Visierschiene, die ebenfalls ventiliert ist. Um störende Lichtreflexe zu vermindern, verfügt die Schienenoberseite durchgängig über eine Guillochierung. Rund zwei Zentimeter vor dem Erreichen der Mündung unterstützt ein kontrastreiches, rotes Lichtsammlerkorn auf der Visierschiene das Auge des Schützen bei der Zielerfassung.
Die Läufe tragen das Beschusszeichen für den mittlerweile bei neuen Flinten obligatorischen Stahlschrotbeschuss. Außerdem besitzen sie in ihren Mündungen Gewinde für den Choke-Wechsel. Derya Arms liefert die Meriva MR-100 mit insgesamt fünf verschiedenen Wechsel-Choke-Einsätzen. Werkseitig in den Läufen der Testwaffe eingeschraubt waren die Choke-Einsätze IC (Improved Cylinder = 1/4) und M (Modified = 1/2). Die übrigen Wechsel-einsätze der Typen Cylinder, Full (1/1) und IM (Improved Modified = 3/4) warteten zusammen mit einem für mehrere Laufkaliber passenden Choke-Schlüssel in einer handlichen Kunststoffbox auf ihren Auftritt. Da es für die Wechsel-Chokes mittlerweile diverse Arten der Kennzeichnung gibt, greift Derya hier sicherheitshalber gleich auf die drei gebräuchlichsten davon zurück: Neben der Gravur mit der Bezeichnung respektive deren Kürzel und Sternsymbolen sind auch Kerben in der Stirnseite der Einsätze zu finden. Letzteres bietet den Vorteil, dass man auch bei eingeschraubten Chokes schnell erkennen kann, um welchen Typ es sich handelt.
Derya Arms Meriva MR-100-System und Abzug:
Die MR-100 verriegelt auf altbewährte Weise mittels einfachem Laufhakenverschluss. Zum Entriegeln fürs Brechen (Öffnen) der Flinte dient ein klassisch geformter Verschlusshebel (Top Lever) oben auf dem Kolbenhals. Passend zum restlichen Outfit der MR-100 kommt der stählerne Top Lever ohne Schnörkel daher, bringt aber eine an eine Fischhaut erinnernde Oberflächentextur auf beiden Seiten der Handhabe mit. Beim Schließen der Flinte drückt eine am Eisenvorderschaft angebrachte Nase die Spannstange im Baskülenboden in den Systemkasten und spannt die Schlagstücke der Schlosse.
Die MR-100 kommt mit einem Abzugszüngel für beide Läufe aus. Das Züngel des Einabzugs lässt sich in seiner Position nicht verstellen. Ob der Abzug erst den Schlagbolzen des oberen oder des unteren Laufes ansteuert, legt der Schütze per Laufwahlschalter fest. Dieser sitzt in Form eines längsgeriffelten Querschiebers im Sicherungsschieber der MR-100. Ein roter und ein weißer Punkt neben dem Schieber zeigen jeweils an, aus welchem Lauf zuerst geschossen wird. Der Sicherungsschieber selbst sitzt bequem mit dem Daumen der Schusshand erreichbar auf der Scheibe. Auch an der Sicherung soll eine fischhautartige Textur im Stahl das Abrutschen des Daumens verhindern. Befindet sich der Schieber in der hinteren Position, wird der Abzug blockiert und ein in Feuerposition verdecktes "S" ist sichtbar. Nach Auslösen des Abzuges wird der zweite Lauf automatisch angesteuert. Das passiert, ohne dass es dazu wie bei manchen Flinten eines Schussimpulses bedarf. Auch die Ejektoren der beiden Läufe werden über den Abzug aktiviert. Bei dessen Betätigung tritt neben dem Schlagbolzen gleichzeitig je ein weiterer kleiner Bolzen aus dem Stoßboden hervor. Dieser Bolzen schlägt auf ein in die Stirnseite des Ejektors eingelassenes Gegenstück. Das sorgt beim Brechen der Flinte dafür, dass die leere Patronenhülse eines abgefeuerten Laufes schwungvoll aus dem Patronenlager ausgestoßen wird, während die Patrone in einem nicht abgefeuerten Lauf lediglich sanft ausgezogen wird. Bei der Testwaffe zeigte die Lyman Trigger Pull Gauge beim Auslösen des Schlosses für den unteren Lauf im Schnitt 2.150 Gramm und für den oberen Lauf 2.260 Gramm an. Damit liegt das Abzugsgewicht der Meriva MR-100 absolut im grünen Bereich für eine Jagdflinte. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die jeweilige Charakteristik des Abzuges, die bei der Testwaffe durchaus an die hochpreisigen Sportflinten heranreichte. Auch hier gibt es also absolut nichts zu mäkeln.
Mit der Derya Arms Meriva MR-100 auf dem Schießstand und im Revier
Bevor man mit einer nagelneuen Flinte auf den Schießstand geht, versteht es sich eigentlich von selbst, dass man sie bereits zuhause hinreichend öffnet und schließt. "Hinreichend" heißt in diesem Fall, dass sich der dazu nötige Kraftaufwand soweit reduziert, dass der gewohnte Schießrhythmus nicht beeinträchtigt wird. Obwohl die MR-100 einen sehr genau und alles andere als wackelig gepassten Verschluss mitbrachte, ging das vorgenannte Prozedere hier vergleichsweise schnell vonstatten. Bereits nachdem die Flinte etwa 35 bis 40 Mal gebrochen und geschlossen wurde, war sie gängig genug, um damit ein paar Runden jagdlich Trap zu schießen. Der Verschlusshebel ließ sich übrigens von Anfang an ohne übermäßigen Kraftaufwand betätigen.
Dem knapp 1,80 Meter großen Autor von kräftiger Statur passte die insgesamt 1,207 Meter lange und knapp 3,4 Kilo schwere Flinte auf Anhieb, so dass die Wurfscheibe schon ab der zweiten Runde in gewohnter Manier und Anzahl brachen. Das lag vor allem daran, dass Derya sich in puncto Senkung und Schränkung sowie bei der Schaftlänge von 375 Millimetern und den Dimensionen des Pistolengriffs an der Statur des etwa 1,80 bis 1,90 Meter großen Druchschnittseuropäers mit Handschuhgröße 10 bis 11 orientiert. Der Schwerpunkt der MR-100 liegt etwa anderthalb Fingerbreit vor der Scharnierwelle. Das aber ist aufgrund der 76 Zentimeter langen Läufe aus jagdlicher Sicht verschmerzbar, zumal sich die Flinte trotzdem relativ geschmeidig in Anschlag bringen und durchschwingen lässt. Apropos in Anschlag bringen: Hier konnte die Schaftkappe ganz besonders punkten. Am oberen Ende besteht sie aus glattem Kunststoff, der ein Hängenbleiben an der Kleidung verhindert. Die übrigen etwa 80 Prozent der Anlegefläche der Kappe sind mit einen rutschhemmenden Gummi belegt, der bei in die Schulter eingezogener Waffe für einen hinreichenden Halt sorgt. Beim Schießen machte die Flinte keinerlei Probleme und verrichtete störungsfrei ihren Dienst.
Technische Daten und Preis: Die Derya Arms Meriva MR-100
Modell: | Derya Meriva MR-100 |
Preis: | 799,- Euro |
Kaliber: | 12/76 |
Kapazität: | 2 Patronen |
Länge: | 1207 mm |
Schaftlänge: | 375 mm |
Abzugsgewicht (U/O): | 2.150 / 2.260 Gramm |
Gewicht: | 3.427 Gramm |
Links-/Rechtsausführung: | rechts |
Ausstattung: | Laufhaken-Verschluss, geölter Nussbaumschaft, Einabzug mit Laufwahlschalter im Sicherungsschieber, selektive Ejektoren, Wechsel-Chockes. |
Test-Fazit: Das bietet die Derya Meriva MR-100 Bockflinte in 12/76
Die Derya Meriva MR-100 bietet nicht nur dem jagdlichen Einsteiger sehr viel für die 799,- Euro, die er dafür auf den Tisch legen muss. In Sachen Verarbeitung und Ausstattung sowie Funktion wird die Flinte diesem Preis mehr als gerecht. Was der Jäger mit Hinblick auf den Gang durchs Revier allerdings vermisst, sind Vorbereitungen zur Aufnahme eines Riemenbügels. Wer diese braucht, sollte rund 80,- bis 100,- Euro für die Teile und den Büchsenmacher seines Vertrauens hinzukalkulieren.
Das hat uns gefallen: | Das fanden wir weniger gut: |
Günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis | Keine Vorbereitung für Riemenbügel |
Durchdachte Schaftkappe | Etwas scharfe Ränder an Choke-Einsätzen |
Angenehmes Rückstoßverhalten |
Dieser Artikel ist auch in der caliber 11-12/2021 erschienen. Dort finden Sie auch alle Schießtest-Ergebnisse in der praktischen Tabelle. Das Heft ist im VS Medien-Shop auch als e-Paper verfügbar.
Weitere Information über die Waffen des Herstellers bekommen Sie auf der Seite von DERYA.