Der gewünschte Voreintrag in die grüne WBK ist erfolgt und schon stellt sich die nächste Frage: welcher Schalldämpfer soll es denn sein? Weil bisher kaum Erfahrungswerte in der Jägerschaft existieren, ist die Wahl eine echte Qual. Wir nahmen uns 37 aktuelle Modelle vor. Der Übersicht halber teilten wir die Schalldämpfer in Pirsch-, Ansitz- und Universalschalldämpfer ein.
Schalldämpfer im Test: Messen statt glauben
Die Messung der Lärmreduktion von Schalldämpfern ist sehr aufwändig. Eine Messtechnik, die ausreichend reaktionsschnell ist und die gigantisch hohen Schalldrücke erfassen kann, kostet rund 10.000,- EUR. Es fällt den Herstellern daher leicht, bei den Angaben zur Dämpfungsleistung etwas zu übertreiben. Schließlich kann kaum jemand die Angaben überprüfen. Wir wollten es allerdings genau wissen und haben daher unter gleichen Umgebungsbedingungen mit einem Bruel & Kjaer 2250 (einem Klasse 1 Schallpegelmesser) gearbeitet.
Unsere Testwaffe war eine Blaser R93 im Kaliber .308 Winchester mit 47,5 cm langem Lauf. Als Munition wurde die Hornady 168 Grains BTHP Match verwendet, weil diese Laborierung sehr verlässlich einen Mündungsschalldruckpegel mit geringer Standardabweichung bot.
Schalldämpfer im Test: Vorteile und Nachteile
Schalldämpfer bringen auf der Jagd eine Menge Vorteile mit sich. Sie reduzieren den Rückstoß deutlich, verbessern die Schussleistung der Waffe und schlucken das Mündungsfeuer nahezu komplett. Dabei erlauben es leistungsstarke Modelle sogar, ohne Gesundheitsgefährdung auf den Einsatz von Gehörschutz komplett zu verzichten! Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten: Schalldämpfer erhöhen nicht nur das Gesamtgewicht und die Länge der Waffe, sondern verändern auch ihre Balance. Erfahrungsgemäß machen sich Modelle bis 250 g kaum bemerkbar. Normal starke Läufe um 50 cm Länge zeigen sich mit Schalldämpfern um 300 bis 350 g meist noch gut ausbalanciert. Ab etwa 500 g macht sich das Gewicht an der Mündung jedoch stark bemerkbar. Natürlich kann die Waffe trotzdem für den Einsatzzweck noch ausgewogen sein, hier kommt es immer auf den Einzelfall an. Die Grundregel jedoch lautet: Je leichter die Waffe insgesamt und je länger der Lauf, umso leichter sollte der Schalldämpfer gewählt werden.
Test: Schalldämpfer für die Pirsch
Unter den Pirschschalldämpfern haben wir die Modelle zusammengefasst, die höchstens 275 g wiegen und damit besonders leicht sind. Wer auf jedes Gramm Gewicht achtet und dafür eine geringere Dämpfung in Kauf nimmt, wird hier fündig. Als Material kommt dabei vor allem Aluminium zum Einsatz, das sich im Schalldämpfer-Bau als Standard-Werkstoff etabliert hat. Neben dem günstigen Preis und dem leichten Gewicht gibt es die Rostfreiheit als angenehmen Nebeneffekt.
Die "Pirschschalldämpfer" beeinflussen aufgrund ihres geringen Gewichts kaum die Waffenbalance. Der geringe Durchmesser der meisten Modelle erlaubt dabei nicht nur häufig den Schuss über Kimme und Korn, sondern fällt auch beim Blick durch die Optik kaum als schwarzer Schatten auf. Die bekanntesten Modelle dürften hier der Delta Ultralight von Roedale Precision und der CMM4 von A-Tec sein. Beide wiegen in der Basisausführung um 200 g.
Etwas schwerer, aber sehr kurz ist der Compact von aimSport. Der Preis, den man für das geringe Gewicht und Volumen dieser kleinen Schalldämpfer zahlt, ist eine vergleichsweise niedrige Lärmreduktion. 20 dB Dämpfung bedeutet zwar eine Verringerung des Schalldrucks um satte 90 Prozent, dennoch liegt man je nach verwendeter Waffe und Munition mit diesen Modellen über den europäischen Grenzwerten des Arbeitsschutzes von 140 dB, so dass man beim Schießen ohne Gehörschützer häufig noch ein Druckgefühl oder sogar Schmerzen in den Ohren verspürt. Besser als Schießen ganz ohne Schutz ist das aber allemal!
Als Teleskop-Dämpfer etwas aus der Rolle fällt der Hausken JD 184 in dieser Gruppe. Er verfügt zwar über die beste Dämpfung und eine geringe Nettolänge, ist dafür aber auch das schwerste und mit Abstand dickste Modell unter den Pirschschalldämpfern. Weithin bekannte Klassiker stellen die "Feuerschlucker" (FS) von Lutz Möller dar. Während der ältere FS7 konstruktiv noch eher einen gekapselten Mündungsfeuerdämpfer mit sehr mäßiger Schalldruckpegelreduktion darstellt, ist der FS8 ein echter Schalldämpfer - leicht sind beide durch die Verwendung eines Titanrohres.
Sie sind auf der Suche nach einem Schalldämpfer für den Ansitz oder einen Schalldämpfer für die Drückjagd? Unsere Empfehlung finden Sie auf Seite 2.
Test: Schalldämpfer für den Ansitz
Als reine Ansitzschalldämpfer wurden die Modelle klassifiziert, die entweder sehr groß oder sehr schwer sind. Beim Ansitz stört ein etwas schwererer Dämpfer nämlich in aller Regel wenig: Die Wege zum Ansitz sind meist kurz und ein höheres Gesamtgewicht lässt die Waffe im Schuss noch ruhiger liegen und trägt zur Rückstoßreduktion bei. Klassische Stahlschalldämpfer können hier auftrumpfen und mit der hohen Wärmeabsorptionsfähigkeit auch bei kleinem Volumen eine gute Dämpfung erzielen. Die hervorragend lärmreduzierenden Produkte von Ase Utra sind hier erste Wahl.
Etwas leistungsschwächer zeigen sich der Evolution Standard und der Phantom vom dänischen Hersteller Small Arms Industries (SAI) sowie das finnische Urgestein T8 von BR Tuote. Modelle aus Stahl sind äußerst robust und verzeihen harten Einsatz. Dafür bringen sie meist etwa ein Pfund Gewicht auf die Waage und können rosten, was eine sorgfältige Pflege notwendig macht. Der Markt hält auch einige besonders voluminöse Dämpfer bereit, die durch hervorragende Dämpfungswerte zu überzeugen wissen. Die A-Tec Flaggschiffe MegaHertz und MegaHertz+ reduzieren den Schalldruckpegel um satte 35 bzw. 36 dB, der Hausken WD60 Whisper erzielt ebenfalls 35 dB. Ihr sehr großer Durchmesser von 60 mm und mehr fällt bei niedrigen Vergrößerungen der Zieloptik unvermeidbar als dunkle Kontur ins Auge und irritiert manche Jäger stark.
Universalschalldämpfer im Test: die Allrounder
Wer eine Alternative zu Winzlingen und Giganten sucht, wird bei den Universalschalldämpfern fündig. Hierunter wurden alle anderen Schalldämpfer zusammengefasst, die sich hinsichtlich Größe und Gewicht im Mittelfeld bewegen.
"Overbarrel"-Schalldämpfer aus Aluminium haben sich mittlerweile auf dem deutschen Markt zu Platzhirschen gemausert. Die Spitzenplätze in Sachen Lärmreduktion teilen sich dabei Hausken und A-Tec. Während Hausken zum Beispiel mit dem Jakt JD 224 aus nur 310 g eine Dämpfung von fast 32 dB kitzelt, sind es beim vergleichbaren Modell 150 Hertz von A-Tec knapp über 32 dB bei 396 g. Das Gewicht spiegelt sich natürlich in der Materialstärke wieder, der Hausken mutet etwas filigraner und weniger robust als der A-Tec an.
Wer einen Schalldämpfer sucht, der klaglos alles mitmacht, sollte sich bei Roedale Precision umsehen: der ProX ist mit massiven Wandstärken gefertigt und hat sich in der Praxis als äußerst robust erwiesen. Wo A-Tec und Hausken mit knapp 50 mm Durchmesser arbeiten, begnügt sich der ProX mit 44,5 mm. Das geringere Volumen geht zu Lasten der Dämpfung, der ProX ist nicht ganz gleichauf mit der Konkurrenz. Im Gegensatz zu den gekapselten Produkten von A-Tec oder dem monolithischen Hausken können aufgrund der Modulbauweise allerdings noch zusätzliche Blenden ergänzt werden, um eine höhere Dämpfung zu erzielen.
Zunehmend bekannter auf dem deutschen Markt werden auch die Produkte der schwedischen Firma Stalon, die bei vergleichbarem Volumen und Gewicht in Sachen Lärmreduktion auch auf den ersten Plätzen mitspielen. Ebenfalls aus Schweden stammen die Dämpfer von aimSport, die aufgrund einer Gummiarmierung des Dämpferkörpers sofort positiv auffallen. Schalldämpferrohre werden nicht nur als Leichtmetall und Stahl sondern aus Gründen der Gewichtsersparnis auch aus Kohlenstofffaser (Karbon) gefertigt. Das wohl bekannteste Modell stellt der Carbon O2 von A-Tec dar, der gute Dämpfungswerte mit geringem Gewicht kombiniert. Auch SAI fertigt mit dem Carbon Hunter ein ähnliches Produkt. Alle Karbon-Dämpfer haben den Nachteil, dass sie keine ausgeprägte Hitzetoleranz haben und nur eine Handvoll Schüsse in schneller Folge vertragen, ohne strukturellen Schaden zu nehmen. Dämpfer aus Titan sind da härter im Nehmen und trotzdem leicht. Da das Material teuer und schwer zu verarbeiten ist, gibt es bisher nur wenige Anbieter: Lutz Möller fertigt beispielsweise die sogenannte "Stocker"-Reihe, von der wir den mittlerweile nicht mehr verfügbaren Stocker 170 getestet haben.
Schalldämpfer für die Drückjagd
Grundsätzlich eignen sich natürlich alle Schalldämpfer auch für die Drückjagd. Der Verzicht auf Gehörschutz erhöht die Umgebungswahrnehmung erheblich und aufgrund des geringeren Rückstoßes ist der Schütze schneller wieder im Ziel. Die besonders leichten Pirschdämpfer sind wie gemacht für die Bewegungsjagd, weil sie die Waffenbalance wenig beeinflussen. Da ihr Durchmesser meist bei 40 mm liegt, verdecken sie im Regelfall die Visierlinie nicht und erlauben so die Nutzung von Kimme und Korn.
Andererseits ist ein klarer Trend hin zu etwas stärkeren Läufen bei Drückjagdwaffen feststellbar, weil diese beim Mitschwingen ruhiger liegen. Etwas mehr Gewicht kann also durchaus gewünscht sein: Hier bieten sich insbesondere die leichteren Teleskop-Dämpfer, wie zum Beispiel A-Tec Hertz, Hausken JD, Roedale ProX oder Stalon W an. Auch die Karbon-Dämpfer von A-Tec und SAI sind hier eine Option.
Große Modelle aus Stahl sind dagegen meist zu schwer und machen die Waffen für viele Jäger zu kopflastig. Dennoch bieten Modelle wie die SL- beziehungsweise Jet-Z-Serie von Ase Utra oder Evolution Standard und Phantom von SAI einen klaren Vorteil: Sie haben echte Nehmerqualitäten, was das Heißschießen angeht. Wer also vor allem intensiv im Schießkino oder auf den laufenden Keiler üben und in gleicher Konfiguration jagen gehen will, kann bedenkenlos zugreifen. Bei Modellen aus Aluminium ist bei längeren Serien - gerade aus den Selbstladebüchsen - auch eine Abkühlphase sinnvoll und notwendig, um das Material nicht über Gebühr zu beanspruchen oder gar zu schädigen. In noch stärkerem Maße trifft das für Karbondämpfer zu.
Schalldämpfer im Test: Unterschiede in Bauweise und Montage
Viele Schalldämpfer werden gekapselt gebaut, lassen sich also nicht zerlegen. Sie können zur Reinigung jedoch in ein Ölbad oder Ultraschallbad gelegt werden. Zerlegbare Dämpfer bieten den Vorteil, dass sie sich zum Reinigen öffnen lassen, was beispielsweise bei den Modellen von Hausken der Fall ist. Modulare Dämpfer, wie die Modelle von Roedale Precision, bieten neben diesem Vorteil auch noch die Möglichkeit, durch Entfernen oder Hinzufügen von Blendenelementen auch im Nachhinein die Nettolänge, das Gewicht und die Dämpfung zu variieren. Die Gewinde setzen sich beim Schießen allerdings schnell fest. Wird der Schalldämpfer also nicht akribisch nach jedem Schießen zerlegt und die Gewinde geschmiert, ist dieser Vorteil irgendwann Geschichte.
Schnellspannmontagen ("Quick Release"; QR) wurden ursprünglich für behördliche Nutzer konzipiert: Das Montieren geht immer etwas schneller als das sonst etwas umständliche Aufschrauben des Schalldämpfers auf das Mündungsgewinde. In Verbindung mit Stress, Dunkelheit oder Enge wird der Vorteil dieser narrensicheren Montage besonders deutlich. Dazu sitzt der Schalldämpfer auch nach mehreren Schüssen - auch aus dem Selbstlader - noch bombenfest und das ist nicht unbedingt selbstverständlich.
Mit der Montage auf Mündungsbremse oder Mündungsfeuerdämpfer stellt sich die Frage der Gewindegröße nicht mehr. Manche Hersteller haben das Problem der unterschiedlichen Mündungsgewinde aber auch anders gelöst. B&T und aimZonic bieten Modelle mit einem Standardgewinde an, in die dann ein (im Vergleich zu einem zusätzlichen Dämpfer recht günstiger) Adapter eingesetzt wird. Für den Sparfuchs ist das durchaus eine Alternative, wenn nicht zu viele Schalldämpfer angeschafft werden sollen. Andere Hersteller arbeiten mittlerweile mit einem großen Standardgewinde, in das dann ein Adapterstück mit dem für die jeweilige Waffe passenden Gewinde eingesetzt wird (z. B. Hausken, Roedale). Diese Lösung ließe sich theoretisch auch im Sinne eines Multigewinde-Adapters nutzen. In der Praxis ärgert man sich aber nur über auf dem Lauf festsitzende Gewindeadapter, so dass man sie über kurz oder lang doch mit Schraubenkleber im Schalldämpfer fixiert.
Schalldämpfer im Test: das Fazit
Top 10 Dämpfung | |
Hersteller | Dämpfung (dB) |
A-Tec MegaHertz+ | 36,5 |
Hausken WD60 | 35,9 |
A-Tec MegaHertz | 35,7 |
A-Tec Hertz 150 | 32,4 |
Hausken JD224 | 31,7 |
Stalon W145 | 31,3 |
Stalon W110 | 29,9 |
Ase Uta jet-Z CQB | 29,1 |
Blaser Silencer | 28,6 |
Ase Ultra SL/ | 28,5 |
Top 5 Gewicht/Dämpfung | g/dB |
Hausken JD224 | 9,8 |
A-Tec CMM4 | 10,2 |
Hausken JD184 | 10,5 |
Lutz Möller Stocker 170 | 11 |
Roedale Ultralight Magnum S6 | 11,3 |
Top 5 Volumen/Dämpfung | cm³/dB |
Ase Utra SL5 | 7,5 |
Brügger & Thomet GRS | 7,8 |
SAI Phantom | 8,3 |
Ase Utra jetZ CQB | 8,6 |
Ase Utra SL7 | 8,7 |
Nähere Informationen und weitere Ergebnisse zum Test finden Sie in der caliber 02/2016. Das Heft können Sie HIER IM VS-MEDIEN SHOP bestellen.
Mauser stellte auf der IWA 2016 bereits auch Schalldämpfer vor. Den Artikel finden Sie hier auf all4hunters.de.